Vorschau
Jules Spinatsch hat in den letzten 35 Jahren ein umfangreiches Werk geschaffen, das im In- und Ausland ausgestellt, gesammelt und publiziert wurde. Die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum zeigt das breite mediale Spektrum seiner Arbeiten und Vorgehensweisen. Eigenes und gefundenes Bildmaterial überführt der Künstler in Publikationen, Bildserien, fotografische Installationen und Videoarbeiten. Ausgehend von einem dokumentarischen Ansatz – „von dem, was ist, nicht was sein soll“ – untersucht Spinatsch die Möglichkeiten der Fotografie: von der unmittelbaren Beobachtung gesellschaftlicher Ereignisse vor Ort bis hin zum Einsatz halbautomatischer Aufnahmeverfahren, die scheinbar gegensätzliche Prinzipien wie Zufall und Kontrolle zu neuen Bildformen verbinden. Orte wie der Wiener Opernball, das WEF in Davos, Softwarefirmen, Atomkraftwerke, Gefängnisse, Wintersportveranstaltungen oder brodelnde Schlammpools in Island werden zu seinen Forschungsräumen. Im Bündner Kunstmuseum realisiert der Künstler eine Präsentation, die im zweiten Untergeschoss eine neue Raumdramaturgie einführt. Spinatsch lädt ein – und fordert zugleich –, sich mit Fragen der Wahrnehmung, Macht und Kontrolle sowie deren Konstruktion und Repräsentation durch mediale Bilder auseinanderzusetzen. Dabei untersucht er Fragen von Urheber- und Autorenschaft und macht zugleich das Potenzial, die Grenzen und die Instabilität fotografischer Bilder sichtbar.
Anlässlich der Ausstellung erscheint bei Roma Publications eine zweibändige Publikation, die den grossformatigen Bildband pitalismus ist ill sowie den Reader On Jules Spinatsch mit kunstwissenschaftlichen und essayistischen Texten umfasst.